Gedanken zu Einflüssen eines Tansania-Freiwilligenjahres 10 Jahre nach Ausreise

Von Tanja Neubüser

 

Neben persönlichem Austausch sowie gemeinsamem Essen und Plauschen arbeitete die Gruppe auch inhaltlich zu ihren Erfahrungen und beschäftigte sich u.a. mit der Frage: „Hat euer Jahr in Tansania euer Handeln in den Jahren danach bis jetzt beeinflusst?“ Im Folgenden einige Blitzlicht-Eindrücke aus der Diskussion:
Vier Ehemalige berichteten, dass sie sich nach ihrem Freiwilligenjahr erst einmal von Entwicklungszusammenarbeits-Themen abgewandt hatten, da sie in Tansania frustrierende Erlebnisse gemacht und beobachtet hatten und keine Alternativen für sie in Sicht waren.
Eine Ehemalige berichtete von ihrem Wunsch nach ihrem Tansania-Jahr, keine anderen Menschen bevormunden zu wollen, daher war sie für einige Jahre nach Rückkehr unpolitisch (was sich dann in sehr politisches Engagement bis jetzt wandelte). Viele Freiwillige wertschätzen sehr, eine große Offenheit erlangt zu haben und zu akzeptieren, wie andere denken, Zitat: „Dies ist nötig für die Zukunft Deutschlands!“ Viele können nun durch ihre Erfahrungen in Tansania geflüchtete Menschen und ihre Verhaltensweisen besser verstehen, sie haben Einfühlungsvermögen entwickelt. Ein Zitat: „Ich bin echt enorm dankbar über die Fähigkeit, sich über seine Perspektiven und Rollen austauschen zu können.“ Und viele haben ihr Privileg erkannt, in Deutschland aufgewachsen zu sein.
Es waren auch einige nachdenkliche Stimmen dabei: „Ich kann hier in Deutschland schwer akzeptieren, wie die Welt ist, da ich in Tansania andere Gesellschaftsformen als Alternativen kennen gelernt habe. Diese Alternativen haben auch ihre Vor- und Nachteile und ich beziehe diese Erfahrungen nun in meine Gedanken mit ein.“ Auch die globalen Verflechtungen und Beziehungen spielten eine Rolle, als ein Rückkehrer erzählte, dass er sich „länger mit der Systemfrage der Beziehung zwischen Ländern des globalen Nordens mit denen des globalen Südens beschäftigt hat, dann diese Frage aber ausgeblendet hat bis jetzt, „weil zu viel darüber nachdenken auch nicht weiter bringt.“ Ihn und viele andere beschäftigt, wie sie wirken können: „ Entweder radikal, und zwar in der EU am Bild von Entwicklungsländern arbeiten oder in der Entwicklungszusammenarbeit arbeiten und die Systemfrage der Beziehungen ausblenden.“ Einige haben für sich durch ihr Leben in Tansania klar gezogen, dass sie nicht irgendwo leben möchten, wo sie durch ihre Hautfarbe auffallen. Ein Rückkehrer berichtete, warum er Lehrer geworden ist, denn er hatte in Tansania oft erlebt, dass nur Symptome bekämpft wurden: „Ich möchte helfen, Probleme an der Wurzel anzupacken. Ich möchte andere Kulturen im Schulleben integrieren (muslimische Feste gemeinsam feiern, Verständnis für einander entwickeln ...)“
Einig waren sich alle, dass ihr Jahr in Tansania enorme Einflüsse auf ihr weiteres Leben hatte und immer noch hat. Zum Beispiel in der Form, dass viele der Rückkehrer_innen für sich beschlossen haben, persönlich möglichst ökologisch und sozial verträglich zu leben und damit selbst und hier zu handeln anstatt zu spenden oder in der EZ zu arbeiten. Und viele haben in Tansania eindrücklich erlebt, dass es ihnen ohne viele Dinge, ohne viel Konsum sehr gut gehen kann, dass das Zwischenmenschliche zählt. Daher engagieren sich einige u.a. inzwischen in Nachbarschaftsprojekten, weil sie in Tansania oft lebendige, tragende Nachbarschaften erfahren haben.