Zurückkommen

„Und… Wie ist das jetzt für dich so, plötzlich einfach wieder in Deutschland zu sein?“ Das ist wohl eine der Fragen, die zurzeit viele der Menschen zu hören bekamen, die einen Auslandsaufenthalt Corona-bedingt kurzfristig abbrechen und nach Deutschland zurück mussten. Um dem*der neugierigen DTP-Blogleser*in diese Frage zu beantworten, haben wir sie unseren Mitfreiwilligen gestellt und folgende Antworten bekommen:

Dieses Foto hat uns Christina Albus geschickt. Dieses Foto hat uns Christina Albus geschickt. Wir haben einige Mitfreiwillige gebeten, uns ein Foto zu schicken, das für sie quasi wie ein Abschiedsfoto oder ihr Lieblingsfoto aus ihrer Wohnstadt in Tansania ist. Dieses hier hat uns Christina Albus geschickt. [Foto von Christina Albus, Von Christina Albus.]

„Und… Wie ist das jetzt für dich so, plötzlich einfach wieder in Deutschland zu sein?“ Das ist wohl eine der Fragen, die zurzeit viele der Menschen zu hören bekamen, die einen Auslandsaufenthalt Corona-bedingt kurzfristig abbrechen und nach Deutschland zurück mussten. Um dem*der neugierigen DTP-Blogleser*in diese Frage zu beantworten, haben wir sie unseren Mitfreiwilligen gestellt und folgende Antworten bekommen:

„Die Heimkehr fühlt sich eigentlich recht flüssig, relativ normal an. Fast als wäre ich von einem Urlaub heimgekehrt. Ich hatte aber auch den Gedanken, dass meine Gefühlslage sehr ähnlich sein könnte, wenn wir erst im August zurückgekommen wären. Und ich habe mich kurz geärgert, dass noch so viele Dinge unerledigt blieben, aber zwei Sachen trösten mich: Ich kann ja auf jeden Fall irgendwann zurückkehren. Und es ist nicht meine Schuld und liegt nicht in meiner Macht, dass Pläne unerfüllt geblieben sind. Das hilft mir dabei, all das hier so zu akzeptieren, wie es ist. C‘est la vie. Shit happens.“

  • Anonym

„Die ersten ein, zwei Wochen war es relativ schwierig, weil das da noch sehr akut war, noch Enttäuschung da war und man sich hier erst akklimatisieren musste. Danach habe ich mich aber mit der Situation akklimatisiert und versuche das Beste aus der Situation zu machen.“

  • Hannes

„An sich kommt es mir den meisten Teil der Zeit so vor, als wäre ich nie in Tansania gewesen. Klar, es sind Spuren geblieben: Ich bin Fan der indischen Serie, die meine Gastfamilie immer geschaut hat, manchmal höre ich mir noch Bongo Flava-Songs an, oder auch Songs aus dem innerafrikanischen Ausland, habe einmal meiner Familie Ugali mit Dagaa (kleinen Fischen) gekocht (wobei ich gemerkt habe, dass ich so ne Dagaa-Soße mit viel Gemüse und ohne Dagaa eigentlich ganz gut finde und daher diese Version öfters mal koche), und manchmal muss ich es mir verkneifen, Leuten, wenn sie stolpern, mit einem „Pole“ mein Beileid auszudrücken. Ab und zu habe ich noch Small-Talk-Chats mit tansanischen Bekannten und meiner Gastfamilie und in meinem Zimmer sind verschiedenste Mitbringsel beziehungsweise Abschiedsgeschenke zu finden. Auch mache ich mir Vorwürfe darüber, wie ich mich in einigen Situationen verhalten habe. Auf die Frage, ob ich Tansania vermisse, habe ich keine Antwort. Ansonsten hänge ich eigentlich sehr viel faul daheim rum und bin froh darüber, dass mir die Corona-Krise eine Ausrede dafür liefert. Ich glaube durch die Situation wurde mir das erste Mal in meinem Leben klar vor Augen geführt, dass ich nicht alles unter Kotrolle habe und es höhere Mächte gibt, die meine Pläne durchkreuzen können – und dass ich mir überlegen sollte, wie ich damit umgehen möchte (was ich bis jetzt hervorragend ignoriere). Wäre ich glücklicher, wenn ich in diesem Augenblick mein weltwärts-Jahr in Tansania weitermachen würde? Ich würde diese Frage zu gerne mit einem „Ja“ beantworten, aber was mich persönlich betrifft, ist die Antwort: Ich weiß es nicht, denn ich weiß ja nicht, wie es dort in der kommenden Zeit gelaufen wäre.“

  • Josefine

„Da die Rückkehr aus dem Nichts kam und so schnell ging, habe ich mich lange entwurzelt gefühlt. Es ist schon komisch für mich, dass ich mich darauf eingestellt habe, ein Jahr zu bleiben, und eine Woche später sitze ich plötzlich in meinem Kinderzimmer. Die Menschen sind anders, die Umgebung ist anders, es ist kalt und ich besitze zu viele Dinge. Erst jetzt, ein paar Wochen später, habe ich wieder einigermaßen das Gefühl, in meiner gewohnten Umgebung Wurzeln schlagen zu können.“

  • Elena

„Die ersten beiden Wochen zuhause waren sehr eigenartig, da ich mich nicht genug darauf vorbereiten konnte, Familie und Freunde wieder zu sehen und ich auch allgemein das Gefühl hatte, hier jetzt eigentlich nicht her zu gehören. Dennoch war es trotzdem schön, alle wieder zu sehen, und von meinen acht Monaten zu erzählen. Das einzig wirklich Blöde war, dass es keine Willkommensparty geben konnte.“

  • Anonym

„“Willkommen zurück zu Hause“ - die typische Floskel, seit ich zurück bin. Meine Reaktion: Ein freundliches Lächeln und ein Danke. Doch im Kopf gehen die Gedanken los: Zu Hause? Was bedeutet das eigentlich? So war ich doch eben noch auf Sansibar zu Hause und jetzt auf einmal wieder hier? Einerseits ist es so normal wieder hier zu sein, doch andererseits auch so verrückt. Im einen Moment die Freude darüber, wieder bei meiner Familie zu sein, und im anderen Trauer, dass ich so weit weg von meiner Familie bin. Juhu endlich wieder Wald und Bäume…ich vermisse Palmen und Meer. Hallo beste Freundin…Tschüss Freunde und liebgewonnene Menschen auf Sansibar. Ein Mix aus Gefühlen. Doch am Ende läuft all das auf ein Gefühl der tiefen Dankbarkeit hinaus, nun habe ich zwei zuhause auf dieser Welt.“

  • Leona

„Es ging mir alles zu schnell. Ich hatte gerade mein Leben da und zack sollten wir alle raus. Aber die Situation musste angenommen werden, so, wie sie war. Wenn ich dies nicht gemacht hätte, hätte ich mich wahrscheinlich verrannt. Am Ende kann keiner was für diese Situation, also brauche ich nicht wütend sein, denn keiner hat sie unfair gemacht. Ich wollte nicht traurig sein: das sollte nicht die Momente und die Erinnerung beeinflussen. So muss man aus seinen Situationen immer das Beste versuchen zu machen. Ich hab mich mit dem Einleben in Tansania sehr schwer getan und es hinbekommen. So tue ich mich auch hier wieder schwer anzukommen. Ich brauche einfach wieder ein bisschen Zeit.“

  • Anonym

„In Deutschland habe ich das Gefühl, schnell wieder eine Aufgabe zu benötigen.“

  • Anonym

„Ich bin jetzt seit über zwei Monaten wieder zuhause. Meine Ankunft habe ich mir doch recht anders vorgestellt. Meine Eltern holten mich netterweise auf dem menschenleeren Düsseldorfer Flughafen ab. Ich war drei Tage zuvor noch in einem engen Dalla zur Arbeit gefahren und jetzt wurde man komisch angeschaut, wenn man seine Mitfreiwilligen zum Abschied umarmte. Ich habe in Tansania fast nichts von Corona mitbekommen. Ich wusste, dass diese Pandemie die Welt in ihrer Hand hat, aber nur aus den Nachrichten. Ich sah in Dodoma erst in den letzten Tagen Desinfektionsspender vor den Apotheken und vereinzelt maskentragende Menschen. Corona war für mich sehr weit entfernt. Wie ist es also, deswegen wieder hier zu sein? Einerseits bin ich sehr froh, bei meiner Familie hier in Deutschland zu sein. Ich fühle mich schlecht, dass ich nicht traurig genug bin wieder hier zu sein, und denke ich müsste doch alles viel mehr vermissen als ich es nun wirklich tue. Aber ist das nicht immer so? Wenn man weg ist, kann man sich gar nicht mehr richtig daran erinnern, wie es war dort zu sein, und wenn man wiederkommt, ist es so wie es immer war. So war es jedenfalls als ich vor zwei Monaten zurück nach Deutschland kam, und ich hoffe dass es auch so sein wird, wenn ich wieder nach Tansania reise.“ -Hannah

Um noch kurz zum Schluss die Rahmenbedingungen zu erklären: Unser Rückkehrseminar wird voraussichtlich zu der Zeit stattfinden, zu der es ursprünglich geplant war, also Mitte September. Um uns trotzdem in den ersten Wochen nach der Rückkehr bei der (Selbst-)Reflexion zu begleiten, hatten sich Tanja und die beiden Leitenden unseres Zwischenseminars, Laura und Eric, für die ersten fünf Wochen eine Online-Begleitung überlegt: Wir bekamen am Anfang der Woche Fragen, die wir dann in Kleingruppen per Skype o.ä. besprachen, wobei ein*e Gruppenleiter*in sich über diese Gruppengespräche und die Fragen für die kommende Woche mit den anderen Gruppenleiter*innen und Tanja besprach. Außerdem wurden nochmal extra Gruppen für ein Gespräch über Trauer und Schmerz gebildet. Inzwischen trifft sich Tanja pro Woche je mit einer (neu eingeteilten) Kleingruppe per zoom. Da das BMZ beschlossen hat, dass wir, wenn wir das wollen, unser weltwärts-Jahr bis August fortführen können, wenn wir uns nachweislich mit den Sustainable Development Goals der UN beschäftigen, wurde für die, die dieses Angebot wahrnehmen, folgender Plan erstellt: Fünf Tage die Woche sollen wir uns zumindest jeden Tag eine Stunde mit passenden Themen auseinandersetzen, und dabei wöchentlich mindestens ein Webseminar machen, ein Video anschauen und einen Lesetext (oder auch einen Abschnitt aus einem Buch) lesen, man kann das aber auch variieren. Zudem gibt es vorgegebene praktische Tätigkeiten, die teilweise die DTP unterstützen und teilweise eine Außenwirkung in die deutsche Gesellschaft hinein haben. Womit wir uns beschäftigt haben, berichten wir Tanja auf monatlicher Basis. Wir können nebenher auch jobben, allerdings nicht mehr als 20 Stunden die Woche. Ehrenamtliches Engagement ist natürlich auch erlaubt.


Wir haben einige Mitfreiwillige gebeten, uns ein Foto zu schicken, das sie quasi zum Abschied aus Tansania gemacht haben. Die Bilder oben haben wir bekommen.