Der Internationale Frauentag an der Ben Bella Girls Secondary School

Der Internationale Frauentag ist auf Sansibar zwar kein offizieller Feiertag wie in einigen anderen Ländern, dafür aber ein ganz besonderer Gedenktag, der an Lena Michels Schule groß zelebriert wurde.

ECO Schulprojekt ECO Schulprojekt [Foto von Lena Michel, Lena Michel]

Der Internationale Frauentag ist auf Sansibar zwar kein offizieller Feiertag wie in einigen anderen Ländern, dafür aber ein ganz besonderer Gedenktag, der an der Ben Bella Schule einen Tag vor dem offiziellen Datum, am 07. März 2018, groß zelebriert wurde. Am vorigen Schultag probten viele Schülerinnen mit ihren Lehrkräften während der Unterrichtszeit. Da auch einige meiner Schülerinnen den Unterricht aufgrund der Proben verlassen mussten und ich neugierig war, was sie vorbereiteten, bin ich nach meiner Stunde dem Gesang gefolgt. Im Sekretariat habe ich eine kleine Gruppe Schülerinnen mit ihrer Lehrkraft vorgefunden. Die Sängerinnen standen, gestikulierten und bewegten sich rhythmisch im Takt zum Gesang und einige ihrer Klassenkameradinnen saßen eng beieinander auf dem Boden. Mir wurde gleich ein Stuhl angeboten und der kleine Raum füllte sich immer mehr, sodass am Ende sogar einige Schülerinnen durch das Fenster hineinschauten. Es klang wundervoll und ich habe das Zuhören richtig genossen. Obwohl ich die Texte nur teilweise verstehen konnte, da sie ausschließlich auf Kiswahili waren, war ich von der gesamten Performance schlichtweg begeistert. Mir wurde gesagt, dass es sich bei dem Gesang um ein Gedicht handelt.

Am darauffolgenden Tag ist aufgrund der Generalproben und Aufbauarbeiten bzw. letzten Vorbereitungen eine Doppelstunde bei mir ausgefallen. Das Event sollte offiziell nach der Schule um 14 Uhr stattfinden. Ich war am besagten Tag mit meiner Gastmutter nach der Schule verabredet, da wir unbedingt den Stoff des Hochzeitsoutfits zum Schneider bringen mussten (der jüngere Bruder meiner Gastmutter hat am Karfreitag geheiratet) und er meine Maße benötigte. Aber ich hatte ja eine gute Stunde Zeit, da Veranstaltungen auf Sansibar meistens nicht pünktlich anfangen. Nach dem Besuch beim Schneider bat mich meine Gastmutter spontan auf meine kleine Gastschwester aufzupassen, da sie noch einiges in der Stadt zu erledigen hatte. Deshalb entschied ich mich dazu, sie mit zum Schulevent mit zu nehmen. Dort angekommen, gab es erst einmal für alle Lehrer/innen und Schülerinnen Mittagessen im Hinterhof. Immer vier bis sechs Personen aßen von einem großen Teller. Die Ehrengäste waren um 14 Uhr noch nicht da, weshalb sich das Event nach hinten hinaus verzögerte. Gegen 15 Uhr fing es dann endlich an. Zu den Ehrengästen zählten Aiman Due, die Direktorin der Zanzibar Broadcasting Cooperation, ZBC, dem größten TV Sender Sansibars, und Woman Officer, Hidaya, vom Ministry of Woman Zanzibar. Den beiden Frauen wurden zuerst verschiedene Stände auf dem Schulhof präsentiert - diese zeigten unter anderem chemische Experimente, boten lokale Snacks an und präsentierten den STEM Club(Science, Technology, Engineering, Mathematics). In Letzterem werden u.a. Schmuck (Ketten, Schalen) und Haushaltssachen (Essensabdeckungen) aus recyceltem Material hergestellt.

Darüber hinaus wurde die große Halle hergerichtet. Alle Schülerinnen saßen auf Teppichen auf dem Boden. Ganz vorne wurden mehrere Tische (eine Art Tafel) aneinander gereiht und Wasser für die Ehrengäste und anwesenden Lehrkräfte bereitgestellt. Abgesehen vom stellvertretenden Direktor nahmen keine männlichen Lehrkräfte am Event teil. Sie begründeten dies damit, dass es unser Tag sei, der Tag der Frauen, und behaupteten hier als Männer nichts zu suchen zu haben. Die Ehrengäste saßen auf Stühlen in der ersten Reihe und die Schulleitung an einer langen Tafel. Als sich alle versammelt hatten, begann das Spektakel. Die Schülerinnen lobten in ihren Gesängen die Mädchenschule und sangen über die Rechte der Mädchen und Frauen, unter anderem über das Recht auf Bildung und Arbeit. Das Lied erzählte von den besonderen Fächern, die sie an der Mädchenschule besuchen, wie zum Beispiel die business class, science class und home economic class. Letztlich seien Frauen alles in der Welt! Das gesungene Gedicht handelte von der Gleichheit der Geschlechter und vom Bewusstsein, dass Frauen auch erfolgreich sein können und sind. Für den tollen Gesang wurden die Schülerinnen mit Geldscheinen belohnt. Dafür kamen abwechselnd Lehrerinnen und Klassenkameradinnen nach vorne und klebten diese an deren Stirn (dieses Prozedere ist auf Feiern hier generell üblich, insbesondere auf Hochzeiten und Junggesellenabschieden). Zum Schluss wurden kleine Theaterstücke bzw. Dramen aufgeführt. Hier wurden die noch existierenden negativen Praktiken angesprochen, wie zum Beispiel Kindesheirat, Missbrauch, Beschneidung und Geschlechtskrankheiten. Die Schülerinnen wollten mit diesem Beitrag darauf aufmerksam machen, dass Frauen und Mädchen noch weit davon entfernt sind, über ihren eigenen Körper bestimmen zu dürfen.

Leider konnte ich nur bis 16 Uhr bleiben, da meine kleine Gastschwester aufgrund der starken Hitze sehr erschöpft war. Ich erlebte das Ende deshalb zwar nicht mehr mit, aber ich war sehr beeindruckt von den schauspielerischen und musikalischen Fähigkeiten meiner Schülerinnen. Es war ein toller Nachmittag und mir wurde abermals bewusst, dass die Ben Bella eine der fünf Special Schools auf der Insel ist und ihrem Ansehen Ehre gemacht hat!

Unten noch ein paar Bilder des besagten Tages.