Dodoma – Das Hauptdorf stellt sich vor

Seit mittlerweile drei Monaten leben wir, Fieke und Gyde in Tansanias Hauptstadt Dodoma. Alles, was man sich unter einer Hauptstadt vorstellt, wurde durch unsere Reiseführer, die wir vor unserer Abreise befragten, charmant relativiert.

Straße in Dodomas Innenstadt Straße in Dodomas Innenstadt [Foto von Gyde Hansen, Gyde Hansen]

Seit mittlerweile drei Monaten leben wir, Fieke und Gyde, in Tansanias Hauptstadt Dodoma. Alles, was man sich unter einer Hauptstadt vorstellt, wurde durch unsere Reiseführer, die wir vor unserer Abreise befragten, charmant relativiert. Sie haben folgendes zu Dodoma zu sagen:

„Die große Trockenheit verleiht der Stadt ihren unattraktiven und staubigen Charakter. Viel lässt sich in Dodoma nicht erleben, ein längerer Aufenthalt lohnt sich kaum.“ – Jörg Gabriel in Reise Know-How Tansania, Sansibar, Kilimanjaro (6. Auflage 2016); Im selben Reiseführer findet sich auch eine Infobox ‚Dodoma - Die Geschichte einer fehlgeplanten Hauptstadt‘.

„Dodoma ist eine Hauptstadt in viel zu großen Kleidern. Ihr fehlt eine gewisse Authentizität und weltstädtische Atmosphäre.“ – Anthony Ham im Lonely Planet Tansania (2015)

„[…] Die Parlamentarier sind froh, wenn sie die auf dem Reißbrett geplante Stadt wieder verlassen können. […] Heute ist Dodoma eine unansehnliche, künstlich vergrößerte Stadt auf staubigem Terrain, der jegliches hauptstädtisches Flair fehlt. [Die Einwohner sind rau.] Für Touristen ist Dodoma ein Ort, der kaum in Erinnerung bleiben wird.“ – Stefan Loose in Travel Handbücher Tansania (3. Ausgabe 2014)

Solche Aussagen waren natürlich sehr motivierend bei der Aussicht, ein ganzes Jahr in besagter Stadt zu verbringen. Allerdings haben wir nach unserer Ankunft auch schnell die schönen Seiten Dodomas entdeckt: Das Klima beispielsweise ist sehr viel angenehmer als die Hitze in Dar es Salaam. Dodomas schönes, wenn auch überschaubares Stadtzentrum bietet einige belebte Märkte und viele kleine Läden, die zum Bummeln einladen und alles verkaufen, was man braucht. Hier herrscht Klein- statt Großstadtgewusel und Stau gibt es, wenn, dann nur an der einzigen ampelgeregelten Kreuzung. Wenn man sich die Zeit nimmt (und die haben wir in einem Jahr ja reichlich), gibt es einiges zu unternehmen, wie zum Beispiel: Bei dem unter Locals beliebten Markt frisch gegrilltes Fleisch essen, in einem der Hotelpools schwimmen gehen, Eis essen und über die Märkte schlendern, sich die großen Kirchen und die rosane Gaddafi-Moschee anschauen (die vom gestürzten lybischen Diktator gestiftet wurde), auf dem Nyerere Square ein Bild mit der Statue des Vaters der Nation machen oder bei Leone L’Africano im grünen Garten Pizza oder Pasta genießen.

Nach drei Monaten sind wir immer noch dabei, Dodoma kennenzulernen und haben unseren Kollegen deshalb einmal ein paar Fragen zu dieser Stadt gestellt. Sie kommen zum Teil aus Dodomas Umgebung, andere sind aus anderen Landesteilen erst zum Studium an einer von Dodomas Universitäten oder Colleges hergezogen. Es ist interessant, welche unterschiedlichen Dinge ihnen an Dodoma gefallen: die klar geplante Infrastruktur, besonders in der Innenstadt (das besagte Reißbrett hat auch seine Vorteile), die Menschen, die hier leben und der viele Sonnenschein. Auf der anderen Seite zählt der geringe und unzuverlässige Regen zu den weniger geschätzten Merkmalen Dodomas, da die Wasserversorgung der wachsenden Bevölkerung eine immer größere Herausforderung darstellt, denn Dodoma ist eine sich schnell entwickelnde und wachsende Stadt. Unsere Kollegen trauen Dodoma durchaus zu, den Anforderungen einer Hauptstadt gerecht zu werden.

Und das muss sie auch, denn der momentan regierende Präsident Magufuli plant, bis zum Ende seiner Amtszeit 2020 mit der gesamten Regierung inklusive aller Ministerien nach Dodoma umzuziehen. So hatte es Julius Nyerere, der Staatsgründer und erste Präsident, geplant, als er die Hauptstadt 1973 von Dar es Salaam hierher verlegte. Wir persönlich bekommen vom Hauptstadtleben vor allem die gelegentlichen Vollsperrungen für durchfahrende Politiker mit.

Dodoma ist nicht groß, doch wir haben das Hauptdorf in den letzten drei Monaten schon sehr lieb gewonnen. Da wir hier wohnen, können wir die Stadt ganz anders erleben als ein Tourist und ein Ort ist eben immer auch das, was man aus ihm macht!

Auch wenn die Reiseführer es Touristen nicht empfehlen, für einen Zwischenstopp lohnt sich Dodoma auf jeden Fall.