Eine Woche mit Schwimmflügeln

Riesige Wellen voller Eindrücke erwarteten uns. Den Einen rissen die Wellen in einen Strom der Begeisterung mit, ein Anderer stürzte sich voller Vorfreude ins Unbekannte und wieder ein Anderer bekam ein mulmiges Gefühl als die Wellen brachen. Aber Angst vor dem kalten Wasser brauchten wir alle nicht zu haben, da wir diese erste Woche gemeinsam mit Schwimmflügeln verbringen durften.

High above High above On our flight from Dubai to Dar es Salaam above the coast of Somalia [Foto von Tilman Tausch, Copyright Tilman Tausch]

Beim Öffnen der Flughafentüre liefen wir gegen eine Wand aus warmer, feuchter Luft, die uns alle nochmal realisieren lies: Wir sind jetzt wirklich in Dar es Salaam.

Die erste Woche in der Fremde verbrachten wir zum Glück alle zusammen in Dar. So konnten wir unsere ersten Eindrücke gemeinsam sammeln, diese teilen, uns austauschen, uns gegenseitig den Rücken stärken und einfach die Zeit miteinander genießen.

Der Wiederholungs-Sprachkurs bei Mwalimu Mussa hat uns nochmal die nötige Starthilfe zum Lernen der neuen Sprache gegeben. Zusammen durften wie viele neue Erfahrungen, wie das Fahren in einem Daladala, auf dem Markt Orangen und Mangos zu kaufen, auf Kiswahili zu verhandeln und mit Einheimischen in Kontakt zu kommen, sammeln. Feli, eine ehemalige DTP-Freiwillige, und Aziza, unsere Mentorin von TYC, haben uns dabei liebevoll unter die Arme gegriffen und unsere 1000 Fragen beantwortet. Es war eine erste Woche mit Schwimmflügeln - Und dafür sind wir sehr dankbar!

Zusammen durch Dar zu laufen, war oft sehr seltsam, da man als große Gruppe – offensichtlich Fremder – stärker auffällt wie als einzelner „Mzungu“ (Mensch, der europäisch aussieht). Wir sind mit unserer Hautfarbe vielleicht doch mehr aufgefallen, als der ein oder andere es von uns vermutet hätte. Die anfangs sehr komische Situation des Fremdseins haben wir jedoch relativ schnell mit Humor genommen. Wenn wir im Daladala aussteigen mussten, entlockte unser Witz „Wazungu let’s go“ nicht nur uns, sondern auch den meisten Locals ein Lachen.

Genauso wie wir die ersten Erfahrungen hier zusammen gemacht haben, haben wir uns am Strandtag auch den ersten Sonnenbrand gemeinsam geholt. Der Strand war einfache faszinierend!!!! Und wie gut tat es in die Wellen zuspringen und sich von der konstanten Hitze Dar es Salaams abzukühlen. Am Abend sind einige von uns dann zu einem Benefizkonzert bei TLM-Tansania gegangen und haben sich von der ausgestellten Kunst, der Musik und der guten Laune Aller beeindrucken lassen. Am Sonntag war Stadtrally angesagt. Hier sollten wir in Kleingruppen unser bisher erlerntes Wissen gebrauchen, um kleine Aufgaben zu erfüllen. Es ging letztendlich nicht nur darum, wer am Ende die größte Orange zurückbringt, sondern auch um die neuen Situationen, in die jede Gruppe geriet. So wurde eine Gruppe zum Mittagessen eingeladen und durfte eine andere Mentalität des Teilens und der Gemeinschaft erfahren. Eine andere verlief sich im tropischen Großstadtdschungel von Dar, wurde ein erstes Mal mit Korruption konfrontiert, schaffte es mit Hilfe von Locals aber trotzdem rechtzeitig zurück nach Hause.

Wir hatten auf unserem Vorbereitungsseminar in Deutschland viel über das Land Tansania, die Sprache, die Kultur und darüber was es bedeutet in eine andere Kultur zu gehen gehört. Vieles von dem, was wir besprochen hatten, können wir wahrscheinlich jetzt erst so richtig begreifen. Dennoch waren unsere Vorstellungen und ersten Eindrücke sehr verschieden.

Ein paar Gedanken aus unserer Gruppe am Ende der ersten Woche: „Eine neue Kultur kennen zu lernen ist nicht einfach.“ „Das Leben scheint wie eine andere Welt zu sein, es fühlt sich so an, als ob man einen Film schauen würde, der einem die Welt um einem herum zeigt, anstatt wirklich in der Welt zu stehen und dazu zu gehören.“ „Das wir bald ein Teil der tansanischen Gesellschaft seien werden.“ „Dass das, was um mich herum geschieht, für andere ein alltägliches Leben ist, habe ich noch nicht ganz realisiert.“ „Es fühlt sich normal an hier zu sein und ein Teil davon zu sein.“ „Wir leben alle gemeinsam in einer Welt und sollten uns nicht von Unterschieden wie Herkunft und Hautfarbe beeinflussen lassen.“ „Nicht alles ist wie es scheint.“
„Wie schnell man sich daran gewöhnt hat, hier zu sein.“ „Wie einfach es bis jetzt war und wie klein ich von Deutschland denke.“ „Mir ist unklar, wie Einheimische mich sehen und über mich denken.“

Was wir alle aus dem Seminar mitnehmen konnten, ist das Wissen, dass man sich keine Sorgen zu machen braucht, da es alles gut werden wird. Dass man immer nach Hilfe fragen kann. Dass nicht alles so schwer ist, wie es vielleicht manchmal scheint. Und dass wir uns auch in der momentanen Fremde einleben und wohlfühlen werden.

Nun war es an der Zeit unsere 14 Stündige Reise nach Arusha anzutreten.

In dieser Zeit der Vorbereitung auf das Jahr in Tansania sind wir als Gruppe stark zusammen gewachsen und haben Freunde gefunden, mit denen wir unsere Begeisterung und auch Sorgen teilen können. Es ist uns daher allen sehr komisch vorgekommen uns wieder zu trennen, bis wir uns in vier Monaten auf dem Zwischenseminar mit einer ganzen Menge neuen Gesprächsstoff wiedersehen.

Ohne unsere Schwimmflügel müssen wir jetzt alle selbst schwimmen lernen und uns in den Einsatzstellen, den Gasfamilien und der neuen Umgebung zurechtfinden. Wir sind uns jedoch sicher, dass dies ein großartiges Jahr wird!