Fumbatown. Eine Insel auf einer Insel?
Fumbatown ist ein Urbanes Bauprojekt auf Sansibars südlicher Insel Unguja. Das Projekt verspricht einen nachhaltigen Lebensstil in einer diversen Gemeinschaft. Wie realitätsnah ist diese Darstellung? Dieser Frage gehen wir in diesem Blogbeitrag nach.
Fumbatown ist eine Gated Community auf Sansibar in der Nähe von Stonetown. Das Motto:
„Ein urbaner Lifestyle in Harmonie mit der Natur“
Wenn man sich die Zukunftsvision des Projekts auf der Homepage des Unternehmens anschaut erkennt man schnell, dass diese Stadt nichts mit einer sansibarischen Stadt zu tun hat, sondern eher an eine deutsche Neubausiedlung erinnert. Fumba Town wird durch einen Zaun von der Umgebung getrennt und befindet sich etwas ab vom Schuss. Dort, wo sich heutzutage Fumbatown befindet, war früher Buschland und Natur. Die Idee des Projekts stammt von einer deutschen Firma namens CPS, die von Sebastian und Tobias Dietzold geleitet wird und wurde 2018 umgesetzt.
Aber was steckt hinter dem Slogan „Ein urbaner Lifestyle in Harmonie mit der Natur“? Um das herauszufinden, sind wir nach Fumbatown gefahren und haben uns mit dem Bauleiter des Projekts (Michael von Volkshaus) getroffen.
Michael beschreibt Fumba Town als „Wohnraum für Investoren, Wohnraum für Menschen, die nach Afrika ziehen wollen, und Wohnraum für Einheimische“. Doch schnell wird aus dem Gespräch klar, dass das Leben in Fumba Town für einen Großteil der Bevölkerung nicht erschwinglich ist. Das billigste Apartment, das man in Fumba Town kaufen kann, kostet (Stand März 2026) 44.900 USD[1]. Michael sagt dazu: „Der Preis entscheidet, wer nach Fumba Town kommen kann.“
Die Kosten, um in Fumba Town zu leben, sind recht hoch. So kostet eine Pizza etwa 10 Dollar, und die Preise in Bars und Cafés erinnern an europäische Preise. Michael sagt zu dieser Thematik Folgendes: „Für die Allgemeinheit, für sagen wir mal 80 % der Bevölkerung, macht es gar keinen Sinn, nach Fumba Town zu kommen – maximal für ein paar Selfies.“ Was der harten Wahrheit entspricht, da man ohne Registrierung beim Checkpoint am Tor gar nicht in die Siedlung gelangt. Kann nachhaltige Entwicklung wirklich gelingen, wenn sie große Teile der Bevölkerung ausschließt? Jedoch kann jeder Mensch in Sansibar von den Einrichtungen von Fumbatown wie Krankenhäusern, Schulen, Bars und Restaurants profitieren. Jeden Samstag gibt es außerdem einen Community Market, bei dem Fumba Town für jeden Menschen offen ist.
Auch wenn die sansibarische Bevölkerung nicht wirklich in Fumbatown heimisch ist, profitiert sie trotzdem indirekt davon. Das merken wir, als wir einen Mann kennenlernen, dem eine Autowerkstatt vor Fumba Town gehört. Er erzählt uns, dass sein Geschäft durch Fumba Town deutlich besser läuft und dass er vom höheren Wohlstand mitprofitiert. Fumba Town zieht Investoren an, bringt Arbeitsplätze, fördert den gegenseitigen Austausch über internationale Baumethoden und schafft laut Michael auch sicherere Baunormen.
Michael erzählt uns auch, dass alle Arbeiter eine Kranken- und Sozialversicherung haben. Dies sind alles positive Effekte, gleichzeitig wird Sansibar durch solche Projekte auch immer teurer, unter deren Folgen vor allem die ärmeren Schichten leiden.
Besonders an dem Unternehmen, bei dem Michael als Bauleiter für Fumbatown arbeitet, ist, dass dieses einen Fokus auf den Holzbau von Häusern setzt. Die Technik des Holzbaus ist sehr nachhaltig und wird auch zukünftig eine größere Rolle spielen, jedoch ist sie mit viel Arbeitsplanung und Kostenaufwand verbunden.
Ist es dann nachhaltig, dass in Fumba Town mit Holz gebaut wird? Jein. Michael erklärte, dass das Holz, das in Fumbatown verwendet wird, aus Deutschland importiert und angefertigt werden muss. Durch den langen Importweg werden allerdings enorme Mengen an CO₂ freigesetzt.
Der VDR gibt an, dass pro Tonnenkilometer mit dem Schiff etwa 17 g CO₂ freigesetzt werden[2]. Bei einer Strecke von 8.000 km entspricht das etwa 136 kg CO₂ pro Tonne Holz. Skaliert auf ein Bauprojekt in der Größe von Fumbatown wird schnell klar: Der Weg zum klimafreundlichen Bauen ist noch ein weiter. Volkshaus hofft jedoch, dass Fumba Town die Methode des Holzbaus Tansaniern präsentiert und in Zukunft so eine neue nachhaltige Industrie in Ostafrika schafft.
Fraglich bleibt, warum man nicht mit nachhaltigen lokalen Stoffen wie Lehm oder Korallenstein baut.
Diese Form der Exklusivität von Fumbatown ist kein Einzelfall, sondern ein globales Phänomen moderner Stadtentwicklung. Dennoch stellt sich die Frage, inwiefern ein Projekt, das als Modell für die Zukunft dienen will, gleichzeitig zur Verstärkung sozialer Ungleichheiten beiträgt. Kann nachhaltige Entwicklung wirklich gelingen, wenn sie große Teile der Bevölkerung ausschließt?
Es wird argumentiert, dass solche Projekte notwendig seien, um wirtschaftliche Entwicklung anzustoßen. Investitionen, Steuereinnahmen und Infrastruktur könnten langfristig allen zugutekommen. Doch diese Hoffnung ist keineswegs garantiert. Ohne gezielte politische Steuerung besteht die Gefahr, dass sich Ungleichheiten weiter verfestigen, anstatt das diese abgebaut werden.
Faktisch profitiert die Bevölkerung Sansibars durch Investitionen, Know-how, Weiterbildungsmöglichkeiten und Arbeit. Michael erzählt uns, dass alle Arbeiter in Fumbatown sowohl eine Krankenversicherung als auch eine Altersvorsorge bekommen, was oftmals etwas Besonderes in Tansania ist.
Er sagt auch, dass durch ein Projekt wie Fumba Town „neue Gesetze und Baunormen entstehen“. Was einerseits positiv sein kann, da dadurch nachhaltige Bauweisen gefördert werden könnten, andererseits besteht die Gefahr, dass lokale Bautechniken dadurch verdrängt werden.
Fumbatown ist in vielerlei Hinsicht ein Testfeld: für neue Bauweisen, neue Lebensmodelle und neue wirtschaftliche Ansätze. Solche Experimente sind notwendig, um Innovation voranzutreiben. Sie bergen jedoch auch Risiken. Nicht jede Idee lässt sich erfolgreich skalieren, und nicht jede Vision ist langfristig tragfähig.
Besonders deutlich wird dies beim Thema Klimaneutralität. Die langfristigen Ziele – etwa der Einsatz erneuerbarer Energien oder die Reduktion von CO₂-Emissionen durch intelligente Architektur, wie das Pflanzen von Bäumen für natürlichen Schatten – sind sinnvoll. Doch aktuell dominiert noch ein ressourcenintensiver Baustil, und viele dieser Maßnahmen befinden sich erst in der Planungsphase.
Beim Rundgang über das Gelände sticht das auch noch sehr hervor. Man sieht noch viel verbautes Plastik und freie Hausfassaden, die noch nicht viel mit der Vision der Zukunft zu tun haben. Die Gefahr besteht, dass ambitionierte Zukunftsziele dazu dienen, gegenwärtige Probleme zu relativieren.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fumbatown ein innovatives, aber auch widersprüchliches Projekt ist: Es vereint hohe ökologische und soziale Ansprüche mit wirtschaftlichen Realitäten, die eine vollständige Umsetzung dieser Vision bislang verhindern.
[1]https://fumba.town/ [2]CO₂-Emissionen im Güterverkehr D https://de.statista.com/statistik/daten/studie/881600/umfrage/co2-emissionen-im-deutschen-gueterverkehr-nach-verkehrsmitteln/eutschlands 2023| Statista Interview Michael von Volkshaus am 12.03.2026