Kilimanjaro na Mlima Meru

Im Laufe meines Jahres in Tanzania bin ich so wohl auf den Kilimanjaro, als auch auf den Mlima Meru gestiegen. Es fiel mir jedoch zuerst schwer zu entscheiden, welchen der beiden Berge ich besteigen sollte und was Vor- und Nachteile sind. Mit diesem Artikel möchte ich euch die Entscheidung erleichtern, oder auch einfach nur Lust aufs Bergsteigen machen, wenn ihr z.B. noch jemanden von einer solchen Wanderung überzeugen wollt.

Kilimandscharo Kilimandscharo Blick auf den Kili vom Mount Meru [Foto von Florian Vonsien, by Florian Vonsien, Juni 2018]

Als mir vor über einem Jahr langsam klar wurde, dass ich bald für ein Jahr in Tansania leben würde, war mir nicht so wirklich klar, was dies bedeutete. Ich hatte generell noch nicht viel über Tansania, geschweige denn über die Landschaft dort, gehört.

Mein erster Gedanke war: Afrika = trocken, heiß, Wüste.

Schnell fand ich heraus, dass ich schon einmal etwas von Tansania gehört hatte, und zwar von den großen Nationalparks wie der Serengeti, von Urlaubszielen wie Sansibar – und natürlich der Kilimandscharo war mir ein Begriff.

Dadurch, dass ich schon in Deutschland gerne klettern gegangen bin, hat es mir gerade der Kilimandscharo angetan. Immerhin sah es vorher so aus, als ob ich mein Hobby für ein Jahr aufs Eis legen müsse. Da kam es mir sehr recht, dass mir der Kilimandscharo ein anderes großes Projekt darbot.

Bei meiner weiteren Beschäftigung mit dem Land, musste ich aber feststellen, dass es keineswegs nur flach wie in eine Savannenlandschaft war. Es gibt zwar keine großen Gebirge wie die Alpen, jedoch kleinere Gebirge wie die Uzambara und die Udzungwa Berge. Auch ist ein Großteil des Landes, aufgrund des Afrikanischen Grabenbruchs, Hochland mit Lagen zwischen 1.000 und 2.100 Metern. Im Westen des Landes gibt es sehr viele größere Steine, wobei sie sich leider, soweit ich sie bis jetzt beäugt habe, nicht wirklich zum Klettern oder Bouldern eignen und so fixierte ich mich eher auf das Bergsteigen. Den Kilimandscharo habe ich mir immer als einsamen, in der Savanne bei Arusha stehenden, fast 6.000 Meter hohen Vulkan vorgestellt. Schnell erfuhr ich, dass dieser nicht so alleine dasteht, wie ich es mir vorstellte, sondern sich gleich in seiner Nähe ein anderer sehr bekannter Vulkan befindet: der Mount Meru. Dieser ist mit 4.566 Metern etwas flacher als der Kilimandscharo mit 5.895 Metern, jedoch sollte auch er eine wunderbare Natur haben und einen weiten Blick über das Land und vor allem auf den „Kili“ bieten. Mir selbst fiel es nach weiterer Beschäftigung sehr schwer zu entscheiden, auf welchen der Berge ich nun steigen wolle. Dabei gab es viele Aspekte, welche für den jeweiligen Berg sprachen. Um es gleich einmal vorweg zu nehmen, am Ende stand ich auf beiden Bergen und möchte deshalb ein wenig davon berichten, um späteren Tansania-Reisenden die Entscheidung zu erleichtern.

Mich reizte der Kilimandscharo schon alleine durch seine reine Höhe und der Länge der Tour. Über die Machame Route, welche eine der einfachsten Routen ist, was die Anforderungen an bergsteigerisches Können betrifft, war die Tour mit sechs Tagen deutlich länger als die Besteigung des Meru. Auch war der Kili für mich ein größerer Ansporn, denn er ist höher als jeder Berg Europas, der höchste Berg Afrikas und damit der vierthöchste der Seven Summits und der höchste freistehende Berg der Welt. Auch wenn das sehr extrem klingen mag, ist er trotzdem auch für Laien erklimmbar. Bei der Besteigung durchwandert man die verschiedenen Klimazonen. Die Tour startet im Wald, wo man Affen und andere Tiere sehen kann, später werden die Bäume flacher und es gibt viele Krähen und am Ende ist es steinig, bis auf dem Gipfel dann sogar Schnee liegt. Der Weg ist das Ziel. Da man einen großen Teil der Zeit nicht im Wald wandert, kann man bei klarem Himmel weit übers Land blicken und selbst wenn tagsüber Wolken den Blick nach unten versperren, so steigen diese gegen Abend langsam auf und nachts hat man meist einen sehr guten Blick auf Arusha, Boma Ng'ombe oder Moshi und natürlich auf den wunderbaren südlichen Sternenhimmel in Afrika. Es gibt jedoch auch einige Nachteile. Der Größte von ihnen ist auf jeden Fall der Preis, denn trotz Resident Permit und einem günstigen Guide kostete die Tour ca. 900 € pro Person, ohne Permit kommt man auf fast 1.200 €. Auch die Höhe kann manch einem zu schaffen machen und es besteht die Möglichkeit, dass man aufgrund von Höhenkrankheit nicht auf dem Gipfel ankommt. Auf ein mögliches Scheitern sollte man also gefasst sein, denn es kann jeden erwischen.

Viele dieser Dinge kann man natürlich beim Meru auch erleben. Er ist nicht ganz so hoch, aber mit seinen 4.566 m der fünfthöchste Berg Afrikas und immer noch auf gleicher Höhe mit den höchsten Bergen der Alpen. Auch hier läuft man am Anfang im Wald, jedoch kann man deutlich mehr Tiere sehen als am Kili, so z.B. Giraffen und Büffel und der Weg im Wald ist teilweise etwas „verwunschener“. Jedoch kommt man bis zum Ende des zweiten Tages, das heißt bis kurz vor der letzten Übernachtung, nicht aus dem Wald heraus, weshalb man nicht so einen weiten Blick übers Land hat, dafür jedoch - wenn man ein Loch zwischen den Bäumen findet - einen guten Blick auf den Kilimandscharo. Wie beim Kili, steigt man auch beim Meru das letzte Stück in der Nacht auf, so dass man beim Morgengrauen auf dem Gipfel steht. Von dort aus hat man dann auch einen wunderbaren Blick über das Land, auf den Kili und auf den inzwischen abgesunkenen Krater des Meru genießen. Der Abstieg zur Hütte ist eine Gratwanderung, welche mir persönlich sehr gefallen hat. Dadurch, dass der Meru deutlich niedriger ist, ist das Risiko für Höhenkrankheit wesentlich geringer und er ist auch für weniger sportliche Menschen geeignet. Allerdings kann am Meru nicht gezeltet werden, was für mich das Naturerlebnis und das Abenteuer etwas geschmälert hat. Preislich war die Tour mit 160 € für Residents und 225 € für Touristen deutlich günstiger.

Abschließend würde ich demjenigen, der die Herausforderung sucht und Zeit hat, auf jeden Fall den Kilimandscharo empfehlen. Wer jedoch eher etwas kürzeres, günstigeres aber trotzdem aufregendes machen möchte sollte sich für den Meru entscheiden. Menschen die es etwas langsamer angehen möchten, können sich am Mount Meru versuchen oder sich dort akklimatisieren, um danach den Kili in Angriff zu nehmen.

Beide Touren waren aus meiner Sicht ein einzigartiges und bleibendes Erlebnis. Ich kann jedem nur empfehlen, so etwas einmal zu machen.