Über den Frieden sprechen, heißt über etwas zu sprechen, das es nicht gibt.

„Über den Frieden sprechen, heißt über etwas zu sprechen, das es nicht gibt“, hat Astrid Lindgren einmal gesagt. Jedes Jahr, am 21. September, zelebrieren die Vereinten Nationen den Internationalen Tag des Friedens. Unsere Organisation Jane Goodall´s Roots & Shoots wurde eingeladen, mit ihren mehr als 3000 tansanischen Schulgruppen mit verschiedenen Projekten an diesem Tag teilzunehmen.

Installation einer Friedenstaube auf der Spitze der Pugu Hills über Dar-Es-Salaam. Installation einer Friedenstaube auf der Spitze der Pugu Hills über Dar-Es-Salaam. Die Taube gilt als Symbol für neues Leben, der Hoffnung, des Frieden und der Liebe. Die Taube ist eines der ältesten christlichen Symbole und geht zurück auf das Alte Testament, als sie Noah am Ende der Sintflut Land und damit den göttlichen Frieden ankündigte. Die Vereinten Nationen verwenden die Taube als Logo für den Internationalen Tag des Friedens, den sie jährlich am 21. September mit Menschen weltweit zelebrieren. [Foto von Jane Goodall´s Roots & Shoots, Kann kostenlos verwendet und freigegeben werden.]

Ein Tagebucheintrag

„Über den Frieden sprechen, heißt über etwas zu sprechen, das es nicht gibt“, hat Astrid Lindgren einmal gesagt. Jedes Jahr, am 21. September, zelebrieren die Vereinten Nationen den Internationalen Tag des Friedens. Unsere Organisation Jane Goodall´s Roots & Shoots wurde eingeladen, mit ihren mehr als 3000 tansanischen Schulgruppen mit verschiedenen Projekten an diesem Tag teilzunehmen, zur Feier eines Zustandes, der wohl niemals vollständig erreicht werden kann.

„Frieden bedeutet Liebe“, sagt eine Schülerin und lächelt mich schüchtern an. 14 Uhr, wir befinden uns auf dem Gelände der Kibamba Secondary School, das von niedrigen Gebäuden und schlanken Sträuchern eingefasst wird. Die Schule liegt an einem Hang, dessen erdiger Grund gefurcht ist vom Regenwasser welliger Abdrücke, wie von den Bewegungen großer Schlangen. Wir sind gekommen, um über den Frieden zu sprechen.

„Frieden ermöglicht Freiheit“, schlägt ein weiteres Kind vor, auf der Suche nach Definitionen im Labyrinth der Möglichkeiten. „Frieden erleuchtet alle Dunkelheit“, fügt seine Sitznachbarin hinzu, die, wie um ihrer Aussage physisch Ausdruck zu verleihen, die Silhouette einer unschuldigen Taube aus weißem Bleichpapier ausschneidet. Die Schere ist stumpf, das Papier brüchig, wie der Frieden auf der Welt. Die Farbe Weiß steht für die Hoffnung, der Vogel als Symbol für die Thematik.

„Frieden erlaubt Gleichberechtigung“, wirft ein Mädchen mit Kopftuch ein, „auch zwischen Mädchen und Jungen“. Einige Kinder nicken zustimmend. Die Schülerin spricht damit einen Zustand an, der immer noch in vielen Ländern weltweit alltäglich gelebte Normalität ist. Es ist nur ein Beispiel für ein aktuelles Krebsgeschwür der Gesellschaft, das am Frieden nagt. Tatsächlich erlebt immer noch jede dritte Frau in ihrem Leben einmal Gewalt. Der Klimawandel wird zukünftig nicht vor Ländergrenzen stoppen und auch die soziale Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Sie trennt dabei Eliten von all den Hungernden, Vertriebenen, Terrorisierten, Ausgebeuteten und schluckt diejenigen, die nicht privilegiert genug waren, in einer reichen Gesellschaft geboren worden zu sein. Darüber müssen wir sprechen.

Warum gibt es immer noch Krieg im Kongo? Warum wird in Kolumbien, in der Ukraine und in Thailand gekämpft? Warum dauern der Syrienkrieg, der Nahostkonflikt und die Gewalt in Somalia solange an? Afghanistan, Mali, Indien, Nigeria, Irak, Libyen, Sudan, Myanmar, Philippinen. Je länger sich Regierungen in Friedensverhandlungen mehr von egoistischen als von humanitären Interessen leiten lassen, desto länger wird die Liste.

Zwei Tage später: Im Pugu Nature Reserve außerhalb von Daressalam veranstaltet Roots & Shoots eine Friedenswanderung zur Spitze der Pugu-Hills, auf der die Installation einer Taube aus Stoff thront. Wie eine Schar Pilger auf der Suche nach Erlösung folgen wir Wandernden dem großen weißen Vogel, der uns den Weg weist. Schüler, Locals und internationale Gäste bahnen sich einen Weg durch den Regenwald. Von oben blicken wir später auf das Panorama der Stadt und rufen nach Frieden für Tansania, den Kontinent und die Welt, als könnten sich unsere Stimmen wie Bäche in die Herzen der Bewohner unter uns ergießen.

Auf dem Rückweg stürzt eine Inderin. Sie verletzt sich den Knöchel und hinkt hinterher, wie all jene Konzerne und Staaten, die scheinbar verpasst haben, dass Aufrüstung, Atomkraft und Umweltzerstörung nicht mehr zukunftsfähig sind.

Als Dekoration des Festplatzes haben wir 89 kleine Origami-Tauben gefaltet, die an einer Wäscheleine über den engagierten Tänzern schweben, die zum Klang von Trommeln mit farbig geschmückten Gesichtern auf den Waldboden stampfen. Aus einem Koffer entnimmt einer der Männer eine Würgeschlange, ein nervöses Tier, dessen Kopf er sich in die Mundhöhle zwängt und in seinen lockeren Hosenbund gleiten lässt. Die Anakonda als lebendig gewordene Reinkarnation des männlichen Geschlechtsorgans, das heutzutage immer noch den Großteil der globalen Gesellschaften anführt, Hierarchien und Patriarchate diktiert.

Ich nehme von unseren Vorbereitungen in unseren Schulclubs für den Internationalen Tag des Friedens zwei Dinge mit:

Einerseits eine eigene verfasste Definition von Frieden: „Für jeden Menschen bedeutet Frieden etwas anderes, je nach Herkunft, Geschlecht, Alter und sozialer Klasse. Für den einen bedeutet es, etwas zu essen zu haben, für einen anderen wird über den Frieden in der Politik entschieden und für wiederum einen Dritten ist ein Umdenken in den Köpfen der Menschen nötig, um Frieden zu erzeugen. Für mich ist Frieden nicht nur ein globaler sich permanent entwickelnder Prozess, sondern viel mehr ein innerer Zustand. Wenn ich nicht mit mir selbst im Reinen bin und mich nicht liebe, so wie ich bin, mit all meinen Stärken und Schwächen, kann ich auch keine Liebe und keinen Frieden an andere aussenden. Frieden beginnt im Kleinen, im Detail, der wie ein Setzling heranwächst und zu einer blühenden Pflanze gedeiht. Beginne also im Kleinen, liebe dich selbst mehr. Teile, inspiriere und verbinde. Frieden kann schon mit einem Lächeln beginnen.“

Andererseits habe ich gelernt, dass es sehr lehrreich sein kann, Kindern zuzuhören. „Frieden beginnt im Herzen“, hatte eine der Schülerinnen der Kibamba Secondary School gesagt und schenkte mir zum Abschied ein Lächeln.