US-amerikanischer und chinesischer Einfluss in Tansania

Welchen Einfluss haben chinesische und US-Amerikanische Investitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Strukturen Tansanias. Wo finden sich Chancen und welche Abhängigkeiten entstehen?

Magufuli Bridge Magufuli Bridge Magufuli Bridge finanziert von chinesischen Investitionen [Foto von Eliah Johansson, Eliah Johansson]

Leitfrage

Welchen Einfluss haben chinesische und US-amerikanische Investitionen auf die wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Strukturen Tansanias. Wo finden sich Chancen und welche Abhängigkeiten entstehen. Einführung: Tansania befindet sich im Spannungsfeld globaler Mächte: Während China durch Infrastrukturprojekte und Kredite an Einfluss gewinnt, konzentrieren sich westliche Länder auf Entwicklungszusammenarbeit. Welche Richtung schlägt Tansania ein?

Chinesischer Einfluss:

Der chinesische Einfluss auf dem afrikanischem Kontinent wurde in den letzten Jahrzehnten sowohl wirtschaftlich als auch politisch stark ausgebaut. Auch in Tansania lassen sich mehr und mehr chinesische Unternehmen und Banken sehen. Vor allem Straßen, Brücken, Eisenbahnlinien, Telekommunikationsnetze und Bergbauprojekte werden zunehmend von chinesischen Unternehmen finanziert und gebaut. Dieser Wachstum bringt viele Chancen mit sich, aber der Wandel birgt auch Risiken und Probleme für die tansanische Souveränität.

In Tansania konzentriert sich China vor allem auf große Infrastrukturprojekte, insbesondere auf Straßen, Brücken und Eisenbahnlinien, zum Beispiel die Standard Gauge Railway (SGR). Die Projekte werden meist über staatliche Institutionen, wie die Exim Bank of China, finanziell unterstützt. Dadurch können Entscheidungen schneller getroffen werden und Projekte schneller umgesetzt werden. Somit werden solche Projekte in deutlich kürzerer zeit fertiggestellt als ähnliche westliche Projekte. Oft wird durch die Priorisierung der Geschwindigkeit die Transparenz, Umweltstandards und wirtschaftliche Langfristigkeit hintenangestellt. [1]

China agiert zentral durch staatliche Unternehmen (State-Owned Enterprises, SOEs). Diese Unternehmen haben große Kapitalressourcen und werden durch den chinesischen Staat unterstützt. Durch die Unternehmen werden viele Projekte geplant, gebaut und betrieben, dadurch bleiben die Projekte in chinesischer Hand. Sie sind effizient, aber für Tansania bedeutet das wenig lokale Beteiligung, da tansanische Unternehmen nur als kleiner Subakteur zum Einsatz kommen.

Im März 2025 unterschrieb Tansania einen Vertrag mit China, der ihnen ein $2.154 Milliarden Dollar Projekt zum Bau einer Strecke der SGR verspricht. Die geplante Stecke wird die Verbindung zwischen dem Hafen von Dar es Salaam zur Nickelmine Munsongati in Burundi vollenden. Dieses Projekt verdeutliche einige Risiken, welche der chinesische Einfluss in Tansania mit sich bringt. Zum einen liegt das Projekt in chinesischer Hand und lokale Unternehmen sind begrenzt beteiligt, dadurch wird ein echter Wettbewerb für lokale Unternehmen und ein Know-How-Transfer begrenzt. Somit bleibt das SGR-Projekt auch nach der Fertigstellung abhängig von chinesischer Wartung und Ersatzteilen. [2]

Ein anderer Sektor in den China investiert ist Bergbau. In Tansanias Böden finden sich viele seltene Metalle und Erden, insbesondere Grafit und Gold. Durch langfristige Verträge sichert sich China einen Zugang zu den wichtigen Rohstoffen für die eigene Industrie. Kurzfristig zieht Tansania Profite aus dem Handel durch Exporterlöse, doch langfristig stellen sich Fragen nach Umweltschutz, Arbeitsstandards und nachhaltiger Ressourcennutzung. Erstens werden im Kleinbergbau häufig Quecksilber und Cyanid eigesetzt, vor allem, um Gold aus dem Gestein zu lösen. Dadurch wird der Boden, Flüsse und das Grundwasser verseucht, welches das Trinkwasser und die Landwirtschaft beschädigen können. Außerdem gibt es unzureichende Umweltauflagen und Kontrollen. Zweites sind die Arbeitsstandards, vor allem im Kleinbergbau, unsicher. Durch einsturzgefährdete Schächte und fehlende Schutzkleidung gibt es in Minen eine hohe Unfall- und Todesrate. Des Weiteren kommt es durch Armut und fehlendes Schulangebot vermehrt zu Kinderarbeit. Drittens kommt es nicht zu einer langfristigen Wertschöpfung der Ressourcen, da diese kaum in Tansania weiterverarbeitet werden und somit der wirtschaftliche Nutzen geschwächt ist. Die meisten Rohstoffe werden zum Beispiel nach China exportiert, die so billig an wichtige Ressourcen kommen. Durch chinesische Bauprojekte entstehen in Tansania neue Arbeitsplätze, obwohl chinesische Unternehmen oft auch chinesische Arbeiter einstellen, werden auch lokale Arbeitskräfte eingesetzt. Auch in Bereichen des Bergbaus und Handels entstehen langfristig Arbeitsplätze, kritische ist jedoch, dass Einheimischen oft niedrigere Löhne gezahlt werden und Führungspositionen in chinesischer Hand bleiben. Dadurch werden auch der Wissenstransfer und langfristiger Aufbau lokaler Kompetenzen gebremst. [3]

Auch neben den großen Infrastrukturprojekten zeigt sich der chinesische Einfluss in Tansania auf gesellschaftlicher und kultureller Ebene. Ein Beispiel für Chinas kulturellen Einfluss sind die Konfuzius-Institute, die auch in Tansania gegründet wurden. Über die University of Dar es Salaam werden Sprachkurse und kulturelle Programme angeboten, welche den Sino-Tansanischen Austausch fördern. Außerdem vergibt China viele Stipendien an tansanische Studierende, die in China studieren oder an Fortbildungen teilnehmen. Solche Programme ermöglichen Zugang zu einer modernen Ausbildung, technologischem Know-How und internationalen Kontakten. Allerdings wird kritisiert, dass an Konfuzius-Instituten vor allem chinesische Narrative vermittelt werden und eine kritische Auseinandersetzung kaum stattfindet, außerdem wird das Wissen nur teilweise in tansanische Strukturen integriert. Zudem ist zu befürchten, dass ein zunehmender kultureller und gesellschaftlicher Einfluss die Unabhängigkeit in der tansanischen Politik und Wirtschaft beeinflussen könnte. [4]

In der Gesellschaft wird die chinesische Effizienz bewundert und große Projekte wie zum Beispiel Bahn Lienen (SGR, TAZARA) verhelfen dem Land zu wichtigen Entwicklungsmaßnahmen.

„I believe in the many projects of the Chinese. They are beneficial for the development of Tanzania. I have visited a project supervised by a Chinese company, they are very much invested, and the projects help a lot. Also, the prices are much cheaper, so we prefer to work with Chinese project than others. Although, because they are so cheap Tanzanian companies have difficulties competing with the cheap prices, it’s very difficult.”

Sagt Colex Mwakyelu. Er hat früher als Stadtplaner für die tansanische Regierung gearbeitet und ist jetzt im Ruhestand. Ich habe schon oft mit ihm über politische und wirtschaftliche Themen geredet und als ich ihn fragte, was seine Meinung zum chinesischen Einfluss auf die Entwicklung Tansanias ist und wie er diesen bewerte, machte er deutlich, dass er sehr positiv über die Zusammenarbeit mit chinesischen Investoren denkt, und er nannte mir viele Beispiele von Investitionen in der Gegend, welche er für sehr positiv hält.

Chinas Investitionen in Tansania zeigen sich zum Großteil in kostspieligen Infrastrukturprojekten wie Häfen, Eisenbahnen und Straßen. Diese Investitionen bringen kurzfristige Vorteile, etwa bessere Verkehrsverbindungen und Transportketten, neue Arbeitsplätze und mehr Handel. Allerdings bringen diese Projekte auch neue Abhängigkeiten. Viele dieser Projekte werden durch chinesische Kredite finanziert, von chinesischen Firmen und mit chinesischer Technik und Arbeitskraft umgesetzt. Dadurch fließen viele der wirtschaftlichen Erträge zurück nach China, während Tansania langfristig Schulden begleichen muss und nur begrenzt von Wissen und Technologie profitiert. Abhängigkeit entsteht durch Infrastruktur und Finanzierung, auf die Tansania angewiesen ist. Entsteht so eine materielle Form des Neokolonialismus, da China Einfluss in Bereichen wie Verkehr, Energie und Rohstofftransporte gewinnt und so Chinas Macht über wirtschaftliche Strukturen, auch ohne politische Vorgaben, wächst?[10] Tansania profitiert kurzfristig, aber bleibt langfristig in einer Abhängigkeit zu China.

Einfluss der USA auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Tansanias:

In den letzten Jahrzehnten hat sich Tansania zu einem wichtigen Partner internationaler Entwicklungszusammenarbeit entwickelt. Neben China zählen die Vereinigten Staaten zu den zentralen externen Akteuren, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse im Land beeinflussen. Der US-amerikanische Einfluss unterscheidet sich dabei deutlich von kreditbasierten Investitionsmodellen und zeigt sich vor allem durch Entwicklungsprogramme, institutionelle Unterstützung und soziale Maßnahmen. Dieses Kapitel analysiert den Einfluss der USA aus einer kritisch neutralen Perspektive und untersucht sowohl Chancen als auch entstehende Abhängigkeiten.

Wirtschaftlicher Einfluss und Entwicklungsansatz Der wirtschaftliche Einfluss der USA in Tansania erfolgt überwiegend über Entwicklungsprogramme in den Bereichen Landwirtschaft, Gesundheit, Bildung und private Wirtschaftsförderung. Im Mittelpunkt steht dabei nicht der direkte Bau staatlicher Großinfrastruktur, sondern die Stärkung bestehender wirtschaftlicher Strukturen und lokaler Institutionen. Programme zielen darauf ab, Produktivität zu steigern, Einkommen zu sichern und langfristige wirtschaftliche Resilienz aufzubauen. Diese Ausrichtung wird in der Tanzania Country Development Cooperation Strategy der USAID deutlich, in der institutioneller Kapazitätsaufbau als zentrales Entwicklungsziel definiert wird. Dieser Ansatz kann zur Stabilisierung wirtschaftlicher Prozesse beitragen, führt jedoch auch zu einer indirekten Abhängigkeit von externer Finanzierung und technischer Expertise. Wirtschaftspolitische Prioritäten orientieren sich teilweise an den Förderlogiken internationaler Geber, wodurch nationale Handlungsspielräume eingeschränkt werden können.

Politische Bedingungen und institutioneller Einfluss: Ein wesentliches Merkmal des US-amerikanischen Engagements ist die Kopplung wirtschaftlicher Unterstützung an politische und institutionelle Bedingungen. Dazu zählen Anforderungen an Transparenz, Rechenschaftspflicht, Korruptionsbekämpfung und demokratische Verfahren. Die Weltbank beschreibt diese Form der Konditionalität als Instrument zur Förderung effektiver Institutionen, weist jedoch zugleich auf bestehende Machtasymmetrien hin.[5]

Kritisch betrachtet besteht die Gefahr, dass Reformen weniger aus innergesellschaftlichen Prozessen hervorgehen, sondern primär als Reaktion auf externe Erwartungen umgesetzt werden. Dies kann langfristig die gesellschaftliche Legitimität politischer Veränderungen schwächen. Gesellschaftlicher Einfluss durch soziale Programme Besonders sichtbar ist der Einfluss der USA im Gesundheits- und Bildungssektor. Programme zur Bekämpfung von HIV/AIDS sowie zur Stärkung staatlicher Gesundheitssysteme haben nachweislich zur Verbesserung von Lebensbedingungen beigetragen. Der Tanzania Country Operational Plan von PEPFAR beschreibt Umfang, Zielgruppen und institutionelle Einbindung dieser Maßnahmen detailliert.[6] Gleichzeitig entsteht eine strukturelle Abhängigkeit, da zentrale soziale Dienstleistungen teilweise durch externe Finanzierung abgesichert werden. Dies erschwert den langfristigen Aufbau vollständig eigenständiger staatlicher Systeme.

Zivilgesellschaft, kultureller und ideeller Einfluss Die USA fördern in Tansania aktiv zivilgesellschaftliche Organisationen, Medien und Bildungsinitiativen. Laut UNDP tragen diese Programme zur politischen Teilhabe und zur Stärkung gesellschaftlicher Kontrolle staatlicher Institutionen bei[7]. Gleichzeitig beeinflussen externe Förderstrukturen gesellschaftliche Themen und Diskurse. Darüber hinaus entfaltet der US-amerikanische Einfluss eine ideelle Wirkung. Austauschprogramme und Bildungskooperationen vermitteln normative Vorstellungen von Demokratie, individueller Verantwortung und marktwirtschaftlicher Ordnung. Die OECD beschreibt Entwicklungszusammenarbeit als Träger solcher Werte.[8] Abhängigkeiten und langfristige Risiken Obwohl der US-amerikanische Ansatz weniger kreditbasiert ist, entstehen langfristige institutionelle Abhängigkeiten. Die UN Economic Commission for Africa weist darauf hin, dass staatliche Handlungsspielräume eingeschränkt werden können, wenn zentrale Politikbereiche dauerhaft durch externe Programme getragen werden.[9] Die zentrale Herausforderung besteht darin, externe Unterstützung in nationale Entwicklungsstrategien zu integrieren, ohne politische Autonomie und gesellschaftliche Selbstbestimmung langfristig zu verlieren.

Fazit:

Sowohl China als auch die USA tragen maßgeblich zur Entwicklung Tansanias bei, verfolgen jedoch unterschiedliche Strategien. China setzt auf schnelle, sichtbare Infrastrukturprojekte, schafft jedoch wirtschaftliche Abhängigkeiten. Die USA fördern langfristige Entwicklung und Institutionen, beeinflussen jedoch politische und gesellschaftliche Strukturen.
Für Tansania besteht die zentrale Herausforderung darin, beide Ansätze strategisch zu nutzen, ohne die eigene wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit zu verlieren.

[1]Deborah Brautigam (2019), Will Africa feed China?
[2]CREC Signed Contract for Standard Gauge Railway Project from Tanzania to Burundi, (2025), China Railway Group Limited
[3]IIED, (2020), Chinese Mining Operations in Africa: Impacts, Challenges and Opportunities
[4]CGTN News, (2024), Education experts say China promoted quality education in Africa
[5](World Bank 2022, Chapter 1)
[6] (PEPFAR 2022, Section I)
[7] (UNDP 2021, Chapter 3)
[8] (OECD 2020, Chapter 4)
[9](UNECA 2021, Chapter 2)
[10] Deutschlandfunk (2020)Neues Kolonialherrentum?, Antje Diekhans